Mittwoch, 25. November 2015

012 Nostalgia





















Die Stadt, in der ich kleiner war und jünger als heute, ist zerfranst zu einer Postkartenansicht, die ich im Briefkasten finde. Sie sonnt sich im besten Sechzigerjahrelicht, wird zur sentimentalen Idylle aus Sommerhimmel mit geschickt platzierter Wolkenformation und idealem Standort von Brücke und Burg. Jetzt, da dieser gedruckte Blick so vor mir liegt, von Sonnenflecken verwöhnt, die sich durch die Zwischenräume des heruntergezogenen Rollladens schleichen, geht wieder und wieder diese unsichtbare Tür auf zu Menschen, Häusern und Zimmern, Umgebungen, Stimmungen, Menschen, immer wieder Menschen. Als hätte mir ein unbekannter Jemand eine Kinoeintrittskarte in die Hand gedrückt für einen Film mit den eigenen rotstichigen Bildern, von denen nur die freundlicheren geblieben sind.

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