Samstag, 12. Mai 2018

37 We gotta get out of this place (Newcastle upon Tyne)


Häuschen aus rotem Klinker aufgereiht, davor zerrupfte eingemauerte Vorgärten, ein Ball, dem die Luft ausgegangen ist, ein durchlöcherter Arbeitshandschuh. Bierdosen knittern wie vorgestrige Zeitungen unterm Löwenzahn. In den türkischen Barbershops liegen noch Locken auf dem Boden. Das Holy Jesus Hospital ist von Schnellstraßen eingeschnürt. Ein Pfund Regen fällt vom Himmel und bindet den täglichen Staub auf den Asphalt.


Eric Burdon, wo ist der Keller, den du verlassen wolltest? Ich erinnere mich an dich, als ich den Jungen auf dem Fahrrad sehe, wie er fest in die Pedale tritt, zwischen zwei schmalen Straßen hinaus aus dem grauen Hinterhof, hinaus aus dem Hammerlärm der Tyne-Docks, hinaus ins Leben. Auch der Ausflug nach Whitley Bay genügt dir nicht mehr. We gotta get out of this place, hast du gesungen, nein, geschrien hast du es.


Der Leuchtturm in der Ferne, früher ein Ort, an dem introvertierte Einsiedler einen dieser legendären Jobs verrichteten, heute verlassen, auch das Rendezvous-Cafe´ mit seinem Ices-Tea and Coffee – Schild bietet hinter verschlossenen Metallgittern den Liebeshungrigen keine Zuflucht mehr. Schwarze Hunde messen rennend den Strand aus und stolpern über rostiges Rohr. Späte Gäste schütten sich ihr braunes Ale in den Schlund und pissen es danach zurück in den Sand.


Manchmal höre ich dich noch, Eric Burdon, deine raue Stimme, wie sie zwischen zwei Wellen hin und her schaukelt, als wär´ sie das Boot eines Tyne-Pilots, wie sie auf dem Pier von Southshields entlang schlittert, bis dahin, wo es nicht mehr weitergeht. Und sie ist lauter und räudiger als der Wind. Du hast auch mein Lagerfeuer bereichert. Du hast mir den Glauben zurückgegeben daran, dass sich mit drei Gitarrengriffen und einer Wut im Bauch die Welt erobern lässt.


1 Kommentar:

  1. Eine Reise verdichtet in ein paar Sätzen, so intensiv, dass man das Gefühl bekommt, diesen Ort selber erlebt zu haben. Super!

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