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Samstag, 21. Februar 2026

077 Die Trommel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich kaufte mir eine Trommel,

weil ich einen Rhythmus träumte,

der ich selber war.

 

Da steh ich nun,

ganz ohne Ahnung,

was dieses runde, zickzackmusterige Ding

in meinen ungelenken Händen macht.

 

Vielleicht soll ich

laut sein endlich

laut sein,

trommeln, laut sein, ich,

der ich doch immer das leise Kaninchen war

mit dem ewig scheuen Blick.

 

Vielleicht soll ich

laut sein endlich

laut sein,

trommeln, laut sein, ich,

gegen die Machenschaften der Lauten,

gegen das Raubtiergebrüll.

 

Vielleicht soll ich

laut sein endlich

laut sein,

trommeln, laut sein, ich.

 

Vielleicht sitzt ein Kind dort

unter der Treppe,

wild und voller Geheimnis,

scheu und mutig zugleich,

und schlägt mir einen Takt vor,

der mir noch fremd erscheint

und der doch den Tönen,

die mein Herz mir vorgibt,

auf eine seltsame Weise entspricht.

 

Samstag, 14. Februar 2026

076 Nach der Vollendung der Weltuntergangsuhr

Ich habe neulich davon gelesen, dass die sogenannte Weltuntergangsuhr vorgestellt worden ist. Dies war in den Zeitungen nur eine Randnotiz. Warum erhält nicht jeder demagogisch orientierte Politiker diesen Artikel mit Appellcharakter zugesandt? Diese Einschätzung deckt sich leider mit meinen eigenen Gedanken, die ich derzeit oft habe. Nicht, dass ich Hoffnungslosigkeit verbreiten will. Ich habe das geschrieben, weil ich im Moment leider oft solche apokalyptischen Vorstellungen habe. Vielleicht ist es mein bisher radikalstes Gedicht. Aber ich musste es schreiben. Ich werde dennoch überall, wo ich kann, weiterhin Hoffnung hinstreuen...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn ich so zurückschaue auf die Zeit,

als der Zeiger noch auf kurz vor Zwölf stand,

dann waren wir halt zu dumm zum Überleben,

zu dumm, weil wir uns selber

von all unseren Möglichkeiten wegentwickelten,

weil wir Waffen erfunden haben und die Niedertracht,

die Besinnung über Bord gekippt

und den Punkt zum Anhalten übersehen haben.

Weil wir,

als wir uns auf den Abgrund zubewegten,

jegliche Zeichen in unserem Größenwahn ignorierten

und uns als Menschen abschotteten gegenüber denen,

die anders waren,

statt uns mit ihnen zu verbinden.

Wir waren völlig irre.

Wir haben nichts Besseres verdient.

Was war der Reiz am Besitz und an der Macht?

Und was ist uns geblieben

außer dem Staub unserer Auflösung und einem letzten Dreck?

Wie allein sind wir wirklich gewesen,

die wir Paläste mit dem Blut unserer Untertanen errichteten

anstatt ihnen endlich auf immer die Hand zu reichen?

Nun sind wir auf immer dahin.

Wir Menschen waren eine Fehlkonstruktion.

Wir haben uns von außen und von innen ausgehöhlt.

Wir haben die Menschenverachtung in Kauf genommen,

in dem Glauben,

das goldene Zeitalter würde danach endlich beginnen.

Wir haben uns im Kampf um Kolonien benommen,

als gäbe es die Besseren, die Gebildeteren

und die Schlechteren, die Wilden.

Und nun?

Haben uns die sogenannten Wilden nicht manchmal einen Weg gezeigt,

den wir in unserer Selbstherrlichkeit übersehen haben?

Wären wir Tiere geworden,

dann hätten wir vielleicht überlebt.

Aber die haben wir ja gleich mit ausgerottet.

Vielleicht wird irgendwann eine Spezies entstehen,

die uns überlegen ist,

eine Rasse, die dem Miteinander Bedeutung gibt,

die das Gegeneinander nicht mehr kennt.

Auch wir hatten Lehrer.

Wir haben sie nur leider nicht erkannt.

Und die, welche sie bemerkten,

haben wir verlacht und zu Idioten erklärt.

Wir haben uns unseren schönen Religionskriegen hingegeben,

wir haben die Freien eingepfercht,

ihnen unsere Vorstellungen aufgedrückt,

sie unterdrückt.

Darin haben wir Meisterschaften entwickelt.

Wir haben es immer besser gewusst.

Und dann hat es unser Untergang

halt noch besser gewusst als wir.

Bitter schmeckt das Blut und die Verzweiflung hinterher,

sie dauert einen Augenblick lang,

bis das Licht erscheint,

das ewige Licht der Leere,

das uns endgültig wegradiert.

Die ruchlose Erinnerung rauscht an uns vorüber,

wie das halt so ist,

bevor das Gehirn abgeschaltet wird.

Die schönen Leichen, die gewonnenen heiligen Kriege.

Na und?
Wenn wir uns mal im Spiegel betrachten

und dabei ganz ehrlich sind,

erkennen wir, dass wir uns getäuscht haben.

Unsere schönen Triumphbögen stehen da wie lost places.

Wir hätten es wissen können.

Aber der Mensch ist des Menschen Wolf.

Das war schon immer so.

Da haben weder die Ostermärsche meiner Jugend etwas genützt,

noch die Demonstrationen von Minneapolis zum Beispiel.

Wir müssen nur unsere berühmten Geschichtsbücher lesen.

Wie soll das mit dem Menschen möglich sein,

ohne dass es halt mal wieder irgendwo kracht?

Na also. Bleib dir treu.

Zerstörung. Feindschaft. Abgrenzung.

Cool ist das, sagen manche Jungkämpfer bestimmter Parteien.

Da wird die Idiotie weitergeführt.

Und noch ausgebaut.

So gehört sich´s.

Am besten, sich treu bleiben.

Also: ab in den Untergang.

Jetzt hab dich nicht so.

Wir gehen alle mit.

Oder willst du was Besseres sein?

Sonntag, 18. Januar 2026

075 Ein Symbol der Schönheit

Wie gerne photographiere ich den Weihnachtsmarkt, wenn er sich im Aufbau befindet. Da ergeben sich bisweilen recht kuriose Anblicke. Aber vom Weihnachtsmarkt zu sprechen, mutet nach Dreikönig schon ein wenig kurios an. Doch hat meine heutige Eingebung eigentlich gar nichts mehr direkt damit zu tun, und die Photographie ist nur ein Symbol.

In dieser verrückt gewordenen Welt, in der es scheint, dass sämtliche menschlichen Werte über irgendeinen Rand hinuntergestoßen werden, möchte ich dieses Reh, das da im Sägemehl liegt, quasi symbolisch mit meinen Händen aufheben und es aufrichten. Ich möchte der Destruktion, die uns alle umgibt, ein Symbol der Schönheit hinstellen, immer wieder und immer wieder!